ZEIT-MASS-OBJEKT 2003-2013
Wachs-Zellen, gebleichtes Bienenwachsgranulat


Fotografie: Louise Nylén


Am 27. September 2003 war der Baubeginn des Zeit-Mass-Objekts (ZMO), das aus aneinander gereihten Wachs-Zellen, «Zäpfchen», besteht. Die daumennagellangen Zellen formte ich einzeln vor, um sie an der gerade aktuellen Baustelle des Gebildes zu platzieren. Eine Dokumentation immer am Monatsende aktualisierte die absolvierte Arbeitszeit sowie den Wachsverbrauch und eine Fotografie den Wachstumszustand.

Mit dem Projekt trat ich ab und zu in die Öffentlichkeit. 2006 war das Objekt bei Marks Blond Project in Bern zu sehen. Damals wog es gute 6 Kilogramm und zählte über 800 Arbeitsstunden. 2008 feierte das ZMO doppelt so schwer Halbzeit. Zu diesem Anlass hatte ich meinen Arbeitsplatz in den Kulturraum der CabaneB nach Bümpliz verschoben.
Das ZMO gehörte für ein Jahrzehnt zu meinem Alltag, so dass es mir neben der Lust auch zur Last werden konnte. 26 bis 30 Arbeitsstunden monatlich mussten unabhängig von anderen wichtigen Projekten eingehalten werden. Oder 2007 musste ich mir gut überlegen, wie ich die Weiterführung während meiner viermonatigen Reise auf Island
bewerkstellige.
Im Dezember 2013 habe ich wie vorgesehen den «Bauprozess» beendet und das Wachsgebilde zum Abschluss des Aufenthalts als Gastkünstlerin im Kunstraum, gepard14, Liebefeld bei Bern präsentiert.



Mit dem ZMO wird die Zeit thematisiert. Zeit als Ressource. Zeit, die vergeht, Lebenszeit, Puls, Rhythmus. Zeit, die stetig wächst, hergestellt aus dem gleich bleibenden Baumaterial des immer wieder selben Teilchens, dem Baustein des Zellgebäudes. Die Zeit manifestiert sich in einem ästhetischen Körper, einer Naturform, die an Gedärme, ein Organ, die an kristalline Formen, Tropfsteine an eine Koralle erinnern.
Das ZMO war Dauerbaustelle. Kontinuierlich und nur sehr langsam, unspektakulär veränderte sich seine Form, die in jedem Zustand im Sinne eines Fragments hätte fertig sein können aber auch unendlich weiter wachsen könnte.

ZMO_Halbzeit
ZMO Dossier